Olivenholzkrippe aus Bethlehem

Zur Geschichte:

Vor einigen Jahren besuchte ich mit einer Reisegruppe Bethlehem. Der Bus brachte uns direkt zur Geburtskirche. Unter dem großen Aufgebot junger israelischer Soldaten auf dem Vorplatz wurden wir rasch in die Anlage der Kirche geführt.

Es war alles so unwirklich für mich, als ich unten in der Geburtsgrotte das – „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen,“ betete. Trotzdem fühlte ich mich tief verbunden mit der 2000 jährigen Geschichte meines Glaubens.

Bald drängte es mich wieder aus der Kirche hinaus auf den freien Platz, als ich den Muezzin eindringlich zum Gebet rufen hörte. Gegenüber kniete eine große Schar muslimischer Männer, ihr Gebetstuch auf dem Asphalt ausgebreitet.

Betende Muslims, bewaffnete Israelis und Christen, die am Altar Lichter anzünden, ging es mir durch den Kopf. Da ich noch Zeit bis zur Abfahrt hatte, schlich ich mich in eine Seitenstrasse. Die Läden waren geschlossen, doch aus einer angelehnten Tür drang Licht.

Ich öffnete sie und wurde mit Schalom begrüßt. Ein freundlicher Palästinenser kam mir entgegen. Wir sprachen miteinander und ich erfuhr, dass er Gabriel heißt und seine Familie zur christlichen Gemeinde gehört.

Ich gab mich als Pfarrer zu erkennen, worauf er meine Hände nahm und „Schalom mein Bruder“ sagte. „Schalom am Ort der Geburt des Friedens“ und betend fuhr er fort:“ „Schalom Jesus, der du den Weg von Bethlehem nach Jerusalem gegangen bist, um uns zu erlösen, auch von Terror, Besatzung und Hass! Es wird der Tag kommen, wo du sagen wirst: - Siehe ich mache alles neu ! – Shukran! Danke!“ fügte er hinzu.

Es waren besondere Augenblicke der Begegnung, ein Laden als Ort des Friedens, der Zusammengehörigkeit im Glauben und in der Hoffnung auf die Erfüllung der Botschaft von Weihnachten. Als sei uns ein Licht erschienen, das uns einen Weg zeigen will durch eine komplizierte Welt der Gegensätze und Entfremdung.

So wollte ich mich an meinen Bruder erinnern und kaufte zwei Krippen von seiner Schnitzer Gruppe christlicher Palästinenser, hergestellt aus dem heimischen Olivenholz. Als ich die schönen, schwungvoll, farbintensiven Maserungen betrachtete, sagte Gabriel nachdenklich:

„Es ist Holz der Bäume, wie im Garten Gethsemane“. Die eine Krippe zeigt Jesus im Stall von Bethlehem und die andere zeigt ihn als Kind in der Werkstatt des Zimmermann Josef mit Maria im Hintergrund.

Und immer wenn ich die Krippen zur Weihnachtszeit aufstelle, denke ich an Gabriel und sein Schalom. Es ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft, aber plötzlich ganz nah, durch die Begegnung - „von Angesicht zu Angesicht“, - und ich erkenne im Fremden meinen Bruder.

Willy Schneider