Brief aus Nairobi

Einen gesegneten Advent, * fröhliche Weihnachten * und ein gutes neues Jahr!

Mein Freund Silas lebt im Slum von Mathare Valley und unterrichtet als Lehrer an der dortigen St. Michael Schule, die eine Initiative der Eltern ist und zusammen mit kirchlichen Sponsoren aufgebaut wurde.

Er schreibt:

In der Weihnachtszeit lesen wir gemeinsam die gute Nachricht der Hoffnung, wie sie im Propheten Jesaja 61, 1+2 und im Lukasevangelium 4, 17-19 zu finden ist:

„Der Geist des Herrn ist bei mir, darum weil er mich gesalbt hat,
zu verkündigen das Evangelium den Armen;
er hat mich gesandt zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein sollen
und den Blinden, dass sie sehend werden und den Zerschlagenen,
dass sie frei und ledig sein sollen,
zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“

Silas schreibt weiter ...

Weihnachten ist für mich Jesus von Nazareth, der zu den Armen gesandt wird.

Er sagt uns Slumbewohnern in Mathare Valley: „Selig seid ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ Das ist wie Weihnachten, wenn uns einer Hoffnung macht und diese Hoffnung, die wir auf ihn setzen, nicht enttäuscht. Wenn einer der 600.000 Bewohner unserer Wellblechstadt zu uns kommt und mir oder meinem Mitarbeiter ein Anliegen vorträgt und um Hilfe bittet, sagt dieser: „Nitafikiri, Mungu atusaidie“ – „ich werde darüber nachdenken, Gott möge uns helfen.“ Wir wissen oft genug, dass wir ihm finanziell nicht helfen können. Wie kann ein Armer dem anderen Armen helfen? Dennoch geben wir ihm das Gefühl eines Mitmenschen, der die Not mit ihm teilt.

Wir teilen an Weihnachten die Armut miteinander. Dabei ist Jesus uns ganz nahe.

Und mitten in der Armut hören wir die gute Nachricht von der Gerechtigkeit, Liebe, Befreiung und dem Frieden auf Erden und in den Slums. Unser Festmahl an Weihnachten ist dieses Wort für uns Arme, ansonsten sind unsere Straßenkinder froh, wenn sie an den Weihnachtstagen bessere Speisereste in den Mülleimern der Reichen finden. Und entdecken sie zufällig ein Stück Kuchen in den Abfalleimern, teilen sie es miteinander. Es ist ihnen dann ein bisschen wie Weihnachten, wenn dazu die Straßendekoration der Weihnachtssterne zu leuchten beginnt.

Ein Junge, namens Musa (Moses) – ich übersetze seinen Namen mit: „Ich habe ihn aus den Slums gezogen – fragte mich, ob Jesus auch arm war. Ich sagte Ja! „Dann ist er einer von uns, - mein Bruder,“ - antwortete er. „Aber wen feiern dann die Reichen an Weihnachten?“ „Es gibt eben arme Reiche und reiche Arme an Weihnachten,“ entgegnete ich.

Der arme Jesus wurde nach seiner Geburt von Maria in die Arme genommen. Dadurch lernte er Liebe kennen, Jesus am Kreuz breitete seine Arme aus als wollte er sagen: „Kommet her, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“

Die Hoffnung auf Befreiung von Armut, Unwissenheit, Aids Krankheit und Plage jeglicher Art verbindet uns untereinander, es ist die Hoffnung der Armen, dass sie reich werden durch Hoffnung. Den Reichen wünschen wir, dass sie arm werden an Egoismus. Dann können wir die Freude der Weihnacht miteinander teilen und der Friede auf Erden wird uns wärmen wie eine Mutter, die ihr Kind in den kalten Nächten fest in ihren Armen hält, wie damals Maria auf der Flucht – nach Weihnachten.

Grüßt alle Freunde von uns aus St. Michael, Mathare Valley, Nairobi, Kenia.

Euer Silas